Sonntag, 4. September 2016

Stockalperweg - Leiden und Freuden eines Wanderleiters





21. September 2016

Leitung:  Peter Mathys, 21 Seniorenwanderer



Route
Simplonpass - Niwen - Alter Spittel - Nideralp - Chlusmatte - Engiloch - Engi - Maschihüs - Egga - Simplondorf

10 km, Aufstieg 50 Hm, Abstieg 550 Hm, reine Wanderzeit 3 Std., Bergweg, stellenweise steinig, meist T1, kurze Stellen T2.

Um es klar zu stellen: die Leiden des Wanderleiters finden vor, nicht während der Wanderung statt. Da sieht dieser nämlich einige Tage vor der Wanderung in seinen Intelligenzblättern " 20 Minuten" und "Blick am Abend" im Wetterbericht für den 21. September Bildli mit grauen Wolken, vielen Regentropfen und einem dekorativen Blitz. Was tun? Durchführen? Absagen? Verschieben? Dann kommt endlich der Gedankenblitz: die 20 Angemeldeten haben ja vermutlich diese Bildli auch gesehen und kommen trotzdem. Also durchführen!

Und siehe da: wir starten in Bolligen bei klarem Himmel und lassen uns vom bisschen Nebel auf dem Simplonpass nicht verdriessen. Im Hotel Simplonblick geniessen wir den obligaten Startkaffee mit Gipfeli. Danke, Nicole!



                       
Hotel Simplonblick
Kaffee und Gipfeli
Der Stockalperweg führt nicht nur durch eine einmalig schöne Passlandschaft. Er lässt uns zwei bedeutende Kulturwege mit eindrücklichen Bauten erleben, den von Kaspar Jodok Stockalper erbauten Säumerweg und die von Napoleon befohlene erste Strasse über einen Alpenpass. Insbesondere den Bauten gilt auf unserer Wanderung ein besonderes Interesse.

Hospiz auf der Passhöhe
Die Grundsteinlegung erfolgte im Jahr 1813, kurz bevor Napoleon gestürzt wurde. Auch heute noch wird das renovierte Hospiz von den Chorherren des Grossen Sankt Bernhard betrieben. Es ist ganzjährig offen und kann bis zu 130 Gäste beherbergen.

Über herbstlich verfärbte Böden geht es in einigen Stufen hinunter zu der Häusergruppe Niwen. Von hier aus haben wir den Überblick über die Ebene von Gampisch mit den markanten Bauten.

Erstaunlich, wie leichtfüssig ...

.... die zum Teil über 90-jährigen ...

.... Senioren unterwegs sind.

Überblick über die Ebene von Gampisch

Nach dem Abstieg durch lockeres Erlengebüsch kommen wir unten bei den historischen Gebäuden an. Besonders imposant ist das alte Hospiz. Wir können uns nicht vorstellen, wie die schweren Steine so hoch hinauf gehoben wurden.


Der turmartige, fünfgeschossige "Alte Spittel" wurde von Kaspar von Stockalper erbaut und 1666 vollendet. Er diente den Reisenden als Hospiz und der Familie Stockalper als Sommersitz.


Das Barralhaus mit dem Grundriss von 7 auf 120 m ist ein seltsames Gebäude. Erbaut wurde es vom Geistlichen Pierre Barral als Ferienheim für Seminaristen einer Missionsgesellschaft. Später wurde es als Militärunterkunft genutzt. Heute ist es leer und verwahrlost.

Unser nächstes Ziel ist ein Wäldchen kurz vor Engeloch.  Hier machen wir Mittagshalt.

Blick zurück zum Alten Spittel

Vorbei bei einem prächtigen Vogelbeerbaum


Häusergruppe auf Nideralpe

Abstieg zum Chrummbach
 Zu einer Seniorenwanderung gehört das Picknick im Freien. Jedes nach seinem Gusto, aber mit Hochgenuss draussen in der freien Natur.





Weiter geht es Richtung Engiloch. Dort betrachten wir das Schutzhaus Nr. VII der alten Passstrasse. Zwischen Domodossola und Brig gab es elf solcher Schutzhäuser.


Ehemals Schutzhaus Nr VII, heute Restaurant Engeloch
Nach dem Engeloch folgt gleich ein weiteres Schutzhaus, die Alte Sust am Stockalperweg.
Diese wurde im 16. Jahrhundert als Maiensäss umgebaut.

Alte Sust


Jetzt beginnt der Abstieg zum Maschihüs

Hier gibt es noch Rinder mit Hörnern!


Vogelbeeren

Die Häusergruppe von Maschihüs
 Nach Maschihüs überqueren wir den Chrummbach auf der Steinbrücke aus napoleonischer Zeit. Ein eindrückliches Beispiel: Gehauener Stein überlebt rostenden Eisenbeton!


Ägerbrigga über den Talbach


Ca. einen Kilometer wandern wir nun am Rand der alten Passstrasse, steigen dann einem Bächlein entlang hoch und erreichen den Weiler Egga. Die Akustik der Johannes-Kapelle testen wir einmal mehr mit dem "Dona nobis pacem".




Das Wägeli brauchen wir nicht - wir sind alle noch fit!

Die Einheimischen bewundern den Durchmarsch der Senioren

Das Ziel naht! Wir erblicken in einer Mulde unter uns Simplon Dorf. In der berühmten Bäckerei Arnold decken wir uns ein mit Roggenbrot und trinken den Zielkaffee.


Simplon Dorf heute ...

... und vor zwei Tagen

Letzter Abstieg



Zurück zum Anfang: die Freude des Wanderleiters war gross, unterwegs von Leiden keine Spur. Es macht ganz einfach grossen Spass, mit so motiviertenFrauen und Männern unterwegs zu sein. Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

Und jetzt: Simplon Dorf ade. Wir kommen wieder!


































Montag, 18. Juli 2016

Wildwasserweg zur Griesalp

15. Juli 2016

Leitung: Marianne Burgunder, 23 Seniorenwanderer





















Route: Postautohaltestelle Tschingel - Griesschlucht - Pochtenalp - Golderli - Steinenberg - Bundstäg - Dündenessli - Griesalp

4.5 km, 350 Höhenmeter Aufstieg, 150 Höhenmeter Abstieg, 2 1/2 Std. reine Wanderzeit, T2 auf dem Schluchtweg, T1 ab Golderli bis Griesalp

Letztes Jahr führte uns Marianne ins Gasterental zum schönsten Schuhladen der Welt - heute geht es ins Kiental zu rauschenden Wildbächen und tosenden Wasserfällen.


In Reichenbach kontrolliert Chauffeur Ernst von Niederhäusern aufmerksam das Kollektivbillett ....










 ... und Marianne begrüsst uns offiziell in ihrer engeren Heimat.
In Tschingel, wo eine der steilsten Postautostrecken Europas beginnt, verlassen die Ängstlichen das Postauto, derweil der harte Kern sitzen bleibt und mutig bergwärts kurvt. 
Die Wanderer folgen vorerst dem Strässchen ....













 ... und erhalten von der ersten Brücke einen ersten Einblick in die Griesschlucht.

















Tosendes Wasser nach heftigen Regenfällen

Nach einigen Minuten zweigt der Schluchtweg ab. Wir überqueren den Gamchibach auf einem soliden Steg.
 Der Schluchtgeist heisst uns willkommen. Leider kann ich ihm den Link zu diesem Blog nicht schicken, weil er mir seine Mailadresse nicht geben will.
 Vom langen Gucken ins rasende Wasser wird mir fast schwindlig.

Einige der heute seltenen Sonnenstrahlen dringen in die Schlucht.

Gleich folgt ein Höhepunkt: der Pochtenfall. Feiner Wasserstaub hindert die mutlosen Wanderer, weit vorzudringen. Nur einer lässt sich richtig duschen. Aus reiner Bescheidenheit verrate ich nicht, um wen es sich da handelt.
Auch kleine Wasserfälle haben ihren Reiz. Wie heisst es doch in einem bekannten Lied: "Trinken das Wasser vom moos'gen Stein..". Ist ja viel gesünder als das ständige Kaffee trinken.
Und dann die kitzligste Stelle des Tages: Balancieren über die Schlucht auf einem glitschigen Baumstamm. Ich musste dann wieder umkehren, weil mir niemand folgen wollte. (Wer's glaubt, bezahlt einen Taler ...).
Blick hinunter auf den Tschingelsee. Dieser entstand 1972 nach einem heftigen Gewitter, das an den Flanken des Ärmighorns einen grossen Murgang verursachte. Die Gesteinsmassen bildeten einen Damm und stauten den Gamchibach auf. Der See verlandet zusehends.
 Am Gegenhang sehen wir den imposanten Dündenfall. Eigentlich bin ich froh, dass unser Weg nicht dort hinaufführt ...
 Noch ein Blick in die Tiefen der Schlucht ...

 ... und dann erreichen wir das gemütliche Hotel Waldrand auf der Pochtenalp. Ein Hotel aus einer anderen Epoche - aber mir gefällt es. Da wird noch nicht gewellnesslet.
 Und gleich folgt das nächste traditionelle Haus. Und dann eine Überraschung:




Wir sind wieder vereint. Die tollkühnen Postautofahrer sind heil auf der Griesalp angekommen und haben den Weg zum Golderli gefuden.

Weiter geht es zum Steinenberg, wo wir in der kleinen Kapelle das obligate "Dona nobis pacem" erklingen lassen.
 Im Gärtli vor der Kapelle erblicken wir den ersten Türkenbund.

 Auf Alp Steinenberg werden wir vom Herr des Hauses mit seinen zwei Kühen empfangen.
Das Alp-Lädeli hat ein reichhaltiges Angebot. Die Wanderer kaufen fleissig ein. Alpkäse und Nidletäfeli sind die Renner.
 Blick zurück auf Alp Steinenberg ...
 .... noch über einen rauschenden Bach ...

 ... und endlich erreichen wir den ersehnten Picknickplatz


 Hunger und Durst sind gestillt. Es kann weiter gehen ...

 ... und wieder gilt es den Gamchibach zu überqueren
Wegweiser zur Griesalp

Gamchibach vom Bundstäg

Der neugierige Fotograf sieht sogar einige Alpenrosen ...
 ... und diesmal einen wilden Türkenbund.
 Für alle, die es nicht wissen: auch die Griesalp hat einen Flugplatz.

Und auf der Griesalp gibt es auch Kaffee! Weil aus organisatorischen Gründen der unvermeidliche Kaffeehalt ausgefallen war, geniesst man diesen um so mehr.
Start zur Heimreise. Schweren Herzens fasse ich Mut und setzte mich auch ins Postauto.

Derweil wir es wagen, hinaus zu blicken, erzählt unser Chauffeur die Geschichte einer Frauengruppe. Sie rieten unterwegs, was ihre zu Hause gebliebenen Männer wohl zu Mittag kochten. Fast alle tippten auf Apfelkuchen. Was dann der Chauffeur zu den Frauen sagte, habe ich vergessen oder nicht begriffen ...
Zum Schluss aus dem Postauto der Blick zum Anfang der Wanderung. 






Danke Marianne für diese wunderschöne und sorgfältig vorbereitete Wanderung! Für mich war es nach vielen Jahren die Rückkehr ins Kiental. Den Tschingelsee kannte ich nur aus Fotos und Presseberichten. Nochmals 40 Jahre bis zum nächsten Besuch darf ich nicht verstreichen lassen ...